Heute Nachmittag ist Ops eingeschlafen. Ich hab mein Handy nicht gehoert und erst jetzt die SMS gelesen.
Omi hat am Telefon furchtbar geweint (ich auch) und gesagt, dass er sie heute Morgen nicht mal mehr erkannt hat. Er hatte schon mehrere Tage nicht mehr gegessen und getrunken, seine Umwelt gar nicht mehr wahrgenommen.
Schon bevor ich nach England gegangen bin hatte ich Angst davor Ops nicht mehr wiederzusehen, wenn ich zurueckkomme und jetzt, wo nur noch wenige Wochen in London verbleiben, drei tage vor meinem Zuhauseurlaub, schlaeft er ein. Das ist wie ein schlechter Scherz… zumindest fuehlt es sich so an. Mein grummeliger Ops ist nicht mehr da. Einfach weg. Mein Ops der mir die Hand haelt und immer wieder sagt, dass ich gross geworden bin. Mein Ops, dem ich beim Westenanziehen geholfen hab seit ich stehen konnte.
Und Omi sitzt nun allein in der Wohnung und ich kann nicht zu ihr. Ich wurde so gern bei ihr sein, sie hat es nicht verdient allein zu sein nachdem sie sich Jahre und Jahre so um Ops gekuemmert hat. Ich kann nicht verstehen warum sie sie allein gelassen haben!
Mama wusste nichts davon, ich habe sie gerade angerufen und sie wird morgen Nani sagen, dass Ops eingeschlafen ist. Aber ER! Er haette bei Omi bleiben muessen. Ich versteh einfach nicht warum sie sie allein lassen. Wenn ich nur koennte wuerde ich auf der Stelle heim fliegen. Aber ich muss noch drei Tage warten. Drei Tage in denen weiss der Teufel was mit Ops’ Koerper geschieht und Omi jede Nacht allein wachliegt.
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Ops weg ist. Das geht nicht. Er war oft im Krankenhaus, auch fuer lange Zeiten, aber ganz weg… das geht nicht. Ich weiss gerade gar nicht, wie ich das meinem Kopf beibringen soll. Kein Ops mehr. Kein Ops der am Fruehstueckstisch Zeitung liesst, kein Ops der nachmittags Frauenfussball guckt („Die waren da schon immer viel besser drin als die Maenner!“) und kein Ops der mich mit seinem letzten bisschen Kraft drueckt, wenn ich tschuess sage.
Und ich konnte nicht mal tschuess sagen. Ich habe keine Postkarte geschrieben, die er lesen konnte und ich habe nicht mit ihm telefoniert. Ich habe kaum Fotos von Ops und kein einziges auf dem wir zusammen drauf sind, die Beisetzung ist anonym und ich kann nicht mal zur Beerdigung gehen. Es fuehlt sich an als waere die Zeit stehengeblieben, hier in dem kleinen Zimmer in London und da draussen dreht sich alles weiter. Und ich kann machen was ich will, ich komm nicht hinterher.
Ich wuensche mir so ich koennte tschuess sagen. Und dass ich ihn liebhabe. Und dass ich furchtbar, furchtbar traurig bin. Ich wuerd ihn so gern einmal noch druecken. Aber jetzt gibt es nicht mal ein Grab zu dem ich „Tschuess Ops“ sagen kann. Ich hoffe nur sie suchen einen schoenen Baum fuer ihn aus…